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Rudolf Winzen

Ich möchte mich und meine Tätigkeitsfelder vorstellen. Im Lauf der Jahre habe ich die unterschiedlichsten beruflichen Stationen durchlaufen, vom Behindertenpfleger bis zum Bildungsreferenten bei einer sozialpolitischen Organisation. Inzwischen bin ich seit Jahren ausschließlich im Bereich Psychiatrie tätig. Dort setze ich mich für Veränderungen im Sinne von mehr Patientenfreundlichkeit ein.

ZENIT Verlag

Beruflich bin ich Inhaber des ZENIT Verlags, wo ich Ratgeber und Sachbücher im Bereich Psychiatrie, Sucht und Betreuungsrecht herausgebe. Mein Motto: Nur wer informiert ist, kann sein Leben selbst in die Hand nehmen.

Netzwerk Psychiatrie München e. V.

Ehrenamtlich bin ich engagiert als Vorstand des Netzwerks Psychiatrie München e. V., in dem sich Psychiatrieerfahrene, Angehörige, Fachkräfte und Bürgerhelfer/innen zusammengeschlossen haben. Das Netzwerk hat 2005 die Freie Beschwerde- und Beratungsstelle KOMPASS ins Leben gerufen; dort bin ich als Berater tätig, ebenfalls ehrenamtlich.

Die Süddeutsche Zeitung

... hat über mich und meinen Verlag am 26. 9. 2003 geschrieben:

Diagnose: schwerer Idealismus


Im wohl kleinsten Buchverlag der Stadt produziert Rudolf Winzen Psychiatriebücher

Zehn Titel in fünf Jahren – da kann man nicht unbedingt von einem großen Programm sprechen. Keine Rede jedenfalls vom Kampf um die Regalmeter in den Buchhandlungen, den die großen Verlage ausfechten. Da hat Zenit aus München nichts zu melden. Und wenn man ehrlich ist, hat kaum ein Laden die Bücher vorrätig. Was weniger über das Programm als vielmehr über die Besonderheiten des bundesdeutschen Buchhandels sagt.

Ein Kleinverlag also, sehr klein. Der Zenit-Verlag, das ist Rudolf Winzen, er ist der Verleger – und der Mann für alles: Er macht das Lektorat und das Marketing, kümmert sich um Werbung und Vertrieb, halbtags. Und das Sortiment, das kleine, ist ein echtes Spartenprogramm: Winzen konzentriert sich auf Bücher zu Fragen der Psychiatrie, nicht auf medizinische Fachbücher allerdings, sondern auf Ratgeber und Sachbücher vornehmlich für Betroffene. Sein Publikum sind „Menschen mit psychischen Problemen, deren Angehörige und Helfer“, heißt es im Prospekt. Seine Autoren, sagt der Verleger, seien „Praktiker“, die sich kritisch mit Psychiatrie und Schulmedizin auseinander setzten. Und vor kurzem hat er den ersten Roman herausgebracht. In ihm verarbeitet der Münchner Autor Dieter Lattmann seine Erfahrungen mit der Sucht auch in der eigenen Familie zu Belletristik, nicht aber zu purer Fiktion.

Fünf Jahre läuft der Laden nun schon, sagt Rudolf Winzen nicht ohne Stolz. Na ja, was man so laufen nennt. „Rein kaufmännisch rechnet sich das nicht“, räumt er ein. „Wenn ich meine Arbeitszeit mit einkalkulieren würde, wäre ich schon dreimal pleite.“ Das Geld zum Leben verdient der Verleger mit einem Halbtagsjob in einem Verein, der therapeutische Wohngemeinschaften unterhält. Dort kümmert er sich um die Verwaltung und organisiert die rechtliche Betreuung der Klienten. Der Verlag aber – ein Fall von reinem Idealismus. „Früher hätte man gesagt: Selbstausbeutung.“

Früher, das ist die Zeit, in der sich seine Affinität zur Welt der Psychiatrie entwickelte. Es war zu Beginn 80er Jahre, Winzen war Anfang dreißig und hatte begonnen, Medizin zu studieren. Doch bei all der Paukerei der naturwissenschaftlichen Grundlagen meldete sich in ihm rasch das „Bedürfnis, etwas Praktisches zu tun“. Und freiwilliges Engagement, so war das damals, richtete sich stets auf „politische Ziele“. Für Winzen deckten sich die bald mit den Vorstellungen der „Antipsychiatrie“. Krank, darauf läuft diese Utopie verkürzt gesagt hinaus, ist die Gesellschaft, nicht der Hospitalisierte. Eine solche „Glorifizierung“ psychischer Erkrankungen, sagt Psychiatriekritiker Winzen heute, könne er nicht mehr gutheißen. Trotzdem dürfte es mehr als eine Sentimentalität sein, dass er „Die Auflösung der Irrenhäuser“, eine Streitschrift zur radikalen Psychiatrie-Reform 1978 in Italien, als Reprint wiederaufgelegt hat.

1992, nach „ein paar Semestern“ Medizin und Psychologie, fing Winzen bei der AG SPAK an, der „Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise“. Zunächst war er bei der AG Spak Verlagsassistent; als der Lektor ging, wurde er dessen Nachfolger. Dort habe er das Büchermachen im Ein-Mann-Betrieb gelernt, sagt er. Denn die AG war nicht nur ein Zusammenschluss der unterschiedlichsten Grüppchen, der dazugehörige Kleinverlag deckte das gesamte linksorientierte Themenspektrum ab: Frauenbewegung, alternative Ökonomie, Psychiatriekritik, Dritte Welt.

Ende 1997 war damit Schluss. Die AG SPAK bekam keine Zuschüsse des Bundes mehr und musste aufgeben. Winzen war arbeitslos; und als er eine kleine Erbschaft machte, entschloss er sich, selbst einen Verlag aufzumachen, diesmal vollständig auf der Psychiatrie- und Selbsthilfe-Schiene. Im Lauf der Jahre verlegte er Bücher über „Psycho-Pillen“ und „Chemie für die Seele“, in denen der Arzt und Psychotherapeut Josef Zehentbauer über „Psyche, Psychopharmaka und alternative Heilmethoden“ schreibt, oder über Psychotherapien mit Kindern und Jugendlichen (Sigbert Kluwe: „Das ist doch deine Geschichte“). Die Psychologin Rosa Geislinger, die mit Selbsthilfeprojekten im Bezirkskrankenhaus Haar arbeitet, gab „Experten in eigener Sache“ und ein „Praxishandbuch Sucht“ im Zenit-Verlag heraus. Und Winzen selbst schrieb einen Ratgeber unter dem Stichwort „Zwang“ zu Fragen der rechtlichen Betreuung, vulgo Vormundschaft, und Unterbringung. „Ich glaube, dass Aufklärung zur Selbständigkeit verhilft“, sagt er, „da bin ich wohl unverbesserlicher Optimist.“

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„Ich mach alles selbst“

Bestseller produziert er damit nicht, aber Bücher, die sich kontinuierlich über die Jahre verkaufen. Von der Seelen-Chemie will er im kommenden Jahr eine überarbeitete Auflage herausbringen, die vorige hat er vollständig verkauft – nach bereits sieben in anderen Verlagen. 2000 Exemplare lässt er von den meisten Titeln drucken, wie auch vom neuen Roman. Keine wirklich winzige Auflage, wenn man bedenkt, dass auch die renommiertesten Verlage heute viele ihrer literarischen Titel mit kaum mehr als 3000 Exemplaren ins Rennen schicken.

Das Verlagshaus ist ein voll gestopftes Arbeitszimmer in Winzens Sendlinger Wohnung. „Ich muss alles selbst machen“, sagt Winzen, „sogar die Prospekte tüte ich ein.“ Derzeit wühlt er sich durch Computer-Magazine; er will den Internet-Auftritt technisch verbessern und mit zusätzlichen Informationsangeboten versehen. Denn neben Notizen und Besprechungen in den Fachblättern „aus der Selbsthilfe-Ecke“, meint er, sei das Netz das beste Werbemedium. Zur inhaltlichen Auseinandersetzung aber, zur Planung und zur Arbeit am Text bleibt weniger Zeit, als ihm lieb ist. „Mehr als ein oder zwei Titel im Jahr sind da viel.“ Den Vertrieb hat eine Verlagsauslieferung am Rande von München übernommen, die rund 100 kleinere Verlage bedient, vom Herausgeber von Golf-Geschenkbändchen bis zum Goethe Institut.

„Der Buchhandel ist ein knallhartes Gewerbe geworden“, sagt Winzen, die Kleinverlage gehen da mit ihrem Programm im allgemeinen Überangebot unter. Immerhin hat Winzen es geschafft, dass seine Bücher von Großhändlern, den so genannten Barsortimenten, geführt werden, sogar zu vergleichsweise guten Konditionen, wie er sagt. Das ist nicht unwichtig angesichts des starr organisierten deutschen Buchvertriebs mit seinem mächtigen Zwischenhandel. Denn jede Buchhandlung kann seine Titel so auf Kundenwunsch innerhalb von ein oder zwei Tagen beschaffen. Und nur was das Barsortiment führt, taucht außerdem auch in den Computerlisten der Buchhändler auf. „Alles andere ist in der Regel für die Händler nicht existent.“ Doch den Zenit-Verlag gibt es – und seine zehn Titel aus fünf Jahren.

Martin Thurau